Im Grunde ist dieses Bild schwarz-weiß. Zumindest war es das einmal, irgendwann in den 50er, 60er Jahren, in denen die Aufnahme belichtet wurde. Ornella Fieres hat es mit vielen anderen Negativstreifen in einem Nachlass auf dem Trödelmarkt gefunden, gescannt und den Augenblick der ersten Sichtbarwerdung festgehalten: Ihre Kamera war auf den Computerbildschirm gerichtet und löste in genau dem Moment aus, als dort das eingelesene Bild, zum Positiv umgerechnet, angezeigt wurde.
Dass jene zweite Belichtung nicht nur Pixel, sondern auch Farben zeigt, liegt an der „Interferenz“, die der Arbeit ihren Namen gibt: Durch die Bildschirmdarstellung einerseits und die Kameraaufzeichnung andererseits kommt eine Überlagerung optischer Wellenzüge zustande, die sich als ein Regenbogenfarbenmuster zeigt und die Graustufen der einst analogen Fotografie durchzieht. Neben vielem anderen entdeckt man den Fotografen von damals, der mit seinem Schatten in das Bild ragt. In der wiedergesehenen Version von Ornella Fieres kommt die Künstlerin selbst vor allem im Phänomen der Interferenz vor, die jene Überlagerung veranlasst: eine Überlagerung von Grau und Bunt, von Früher und Heute, analog und digital.
(Dr. Jule Hillgärtner)

